Videoberatung: «Fachlich stark» reicht nicht

Videoberatung gehört in vielen Unternehmen zum Alltag. Die Technik läuft, die Tools sind eingeführt. Doch eine Frage wird selten gestellt: Wie wirken die Beraterinnen und Berater eigentlich am Bildschirm?

Die Erfahrung zeigt: Fachlich starke Leute wirken vor der Kamera oft unsicher, manchmal regelrecht überfordert. Der Blick wandert, das Licht kommt von hinten, die Kamera schaut von unten. Die Kundschaft spürt das. Und Vertrauen entsteht in der digitalen Begegnung genauso wie am Tisch: über das Gefühl, das ein Gespräch hinterlässt. Ein Satz, der Maya Angelou zugeschrieben wird, bringt es auf den Punkt: Die Menschen vergessen, was Sie gesagt haben. Aber sie vergessen nie, welches Gefühl Sie ihnen gegeben haben.

Neben Fach-, Beratungs- und Toolkompetenz braucht es deshalb eine weitere Fähigkeit: Die Kompetenz, im digitalen Raum aufzutreten.

Woran Videogespräche scheitern

Es sind selten die grossen Fehler. Es sind Kleinigkeiten, die in der Summe Wirkung zeigen.

• Der Blick geht ins Leere. Wer das Gegenüber auf dem Bildschirm anschaut, schaut ihm gerade nicht in die Augen. Die Kundin sieht jemanden, der an ihr vorbeiblickt.

• Die Kamera schaut von unten. Die Laptopkamera filmt schräg von unten. Der Berater blickt auf seine Kundschaft herab, ohne es zu wollen.

• Das Licht kommt von hinten. Mit dem Fenster im Rücken wird das Gesicht dunkel. Mimik geht verloren.

• Der Hintergrund redet mit. Er wird zusammen mit der Aussage wahrgenommen. Was dort ablenkt, schwächt die Botschaft.

• Das Erscheinungsbild lenkt ab. Was auffällt, zieht den Blick auf sich. Dann hört niemand mehr zu.

• Die Vorbereitung fehlt. Unterlagen werden gesucht, Fenster gewechselt, die Technik hakt. Wer selbst nicht weiss, wohin die Reise geht, kann keine Sicherheit vermitteln.

Warum Routine nicht reicht

Viele denken: Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Kamera. Als frühere Moderatorin der Tagesschau kann ich sagen: Ich habe mich nie an die Kamera gewöhnt. Und das ist gut so. Wer sich gewöhnt, wird nachlässig. Wer sich bewusst mit der Kamera auseinandersetzt, beherrscht sie. Und nicht umgekehrt.

Eine virtuelle Begegnung ist keine reale. Sie folgt eigenen Regeln. Vieles davon klingt zunächst banal. Ein früherer Teilnehmer sagte mir nach einer Schulung: «Zuerst dachte ich, das weiss ich doch alles. Erst jetzt merke ich, wie viele Feinheiten sich da abspielen.» Genau diese Feinheiten machen den Unterschied zwischen einem Gespräch, das überzeugt, und einem, das verpufft.

Online-Auftrittskompetenz lässt sich trainieren

Eine Gebrauchsanleitung für gute Wirkung gibt es nicht. Aber sie lässt sich trainieren, gezielt und praxisnah. In einer Schulung für Beratungsteams geht es um:

• Mentale Vorbereitung: das Gespräch vorher im Kopf durchgehen, wie ein Abfahrtsfahrer die Piste. Und sich vorbereiten wie auf ein Date: Desktop, Unterlagen, Blick in den Spiegel.

• Blickführung: Kernbotschaften ins Kamera-Auge sprechen, beim Zuhören den Blick senken. Mit der Kamera flirten lernen.

• Kamera, Licht und Hintergrund: am eigenen Arbeitsplatz prüfen und mit einfachen Mitteln verbessern.

• Erscheinungsbild: klar, ruhig und passend zu Inhalt und Anlass.

• Haltung und Präsenz: eine aktive, aufmerksame Auftrittshaltung. Und Lampenfieber als Begleiter nutzen statt als Gegner.

Beraterinnen und Berater sollen ihrer Kundschaft auch am Bildschirm sicher, glaubwürdig und auf Augenhöhe begegnen. Das gelingt nicht von selbst. Videokompetenz will sorgfältig geschult und gelernt sein.

Jedes Beratungsunternehmen sollte sich deshalb fragen: Wie wirkt unser Team am Bildschirm? Kann es seine fachliche und letztlich auch menschliche Kompetenz im virtuellen Gespräch zeigen? Wenn nicht, besteht Handlungsbedarf.

 

Häufige Fragen zur Online-Beratung

Warum reicht Fachkompetenz in der Online-Beratung nicht aus?

In der Online-Beratung zählt nicht nur, was Beraterinnen und Berater sagen, sondern auch, wie sie auf ihr Gegenüber wirken. Blickführung, Licht, Kameraposition, Erscheinungsbild und eine gute Vorbereitung beeinflussen, ob sie sicher, glaubwürdig und vertrauenswürdig wahrgenommen werden.

Worauf kommt es bei einem professionellen Online-Auftritt an?

Ein professioneller Online-Auftritt beginnt mit einer guten Vorbereitung. Dazu gehören eine passende Kameraposition, gutes Licht, ein ruhiger Hintergrund und ein stimmiges Erscheinungsbild. Ebenso wichtig sind eine bewusste Blickführung, eine aufmerksame Haltung und die mentale Vorbereitung auf das Gespräch.

Was bedeutet Online-Auftrittskompetenz?

Online-Auftrittskompetenz ist die Fähigkeit, in digitalen Gesprächen sicher, präsent und überzeugend aufzutreten. Sie verbindet fachliche und kommunikative Fähigkeiten mit dem bewussten Umgang mit Blickführung, Kameraposition, Licht, Erscheinungsbild und persönlicher Wirkung.

Lässt sich die Wirkung in Online-Gesprächen trainieren?

Ja. In einem praxisnahen Auftrittstraining können Beraterinnen und Berater ihre Wirkung am Bildschirm gezielt verbessern. Sie lernen, Gespräche mental vorzubereiten, den Blick bewusst zu führen, ihre Arbeitsumgebung zu optimieren und Lampenfieber als Ressource zu nutzen. Übungen und individuelles Feedback helfen dabei, die eigene Präsenz zu stärken.

Für wen eignet sich ein Training für Online-Auftrittskompetenz?

Ein Training für Online-Auftrittskompetenz eignet sich besonders für Beratungsteams und Fachpersonen, die regelmässig online mit Kundinnen und Kunden kommunizieren. Es unterstützt sie dabei, ihre fachliche Kompetenz auch im virtuellen Gespräch sichtbar zu machen und Vertrauen aufzubauen.

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Agieren statt reagieren - Medienauftritt im Krisenfall